Ratgeber

Website für Winzer: was sie können muss

Eine Website zeigt dein Weingut. Ob sie auch verkauft, entscheidet sich an einer Handvoll Dinge — und die fehlen den meisten. Wir haben 32 österreichische Weingut-Shops daraufhin geprüft. Hier steht, was dabei herauskam, was so eine Seite realistisch kostet — und wann eine gewöhnliche Website völlig ausreicht.

Sieben Anforderungen

Was eine Weingut-Website leisten muss.

Nicht aus einer Wunschliste, sondern aus dem, was wir an echten Shops messen. Die Prozentzahl sagt, wie viele der geprüften Betriebe den Punkt erfüllen.

1 Sie hilft beim Auswählen

13 % erfüllen das

Wer online Wein sucht, kennt selten einen Namen. Er weiß, dass es Fisch gibt oder Gäste kommen. Eine Einteilung in Rot und Weiß beantwortet das nicht. Geschmack, eine Speiseempfehlung, die Trinktemperatur — das ersetzt im Netz das Gespräch im Hofladen.

2 Google erkennt die Weine als Produkte

13 % erfüllen das

Suchmaschinen zeigen Weine mit Bild, Preis und Verfügbarkeit kostenlos an — aber nur, wenn die Seite sie als Produkt auszeichnet. Ohne das bleibt man eine Textzeile neben den Bildern der Mitbewerber. Das ist Technik an der Vorlage, keine laufende Arbeit.

3 Man kann einen Besuch vereinbaren

22 % erfüllen das

Beim Wein entscheidet das Glas, nicht der Text. Wer sich sonntagabends für eine Verkostung interessiert, erreicht niemanden am Telefon — und meldet sich meist nicht noch einmal. Ein Formular mit zwei Feldern genügt; es muss kein Buchungssystem sein.

4 Die Pflichtangaben stehen drauf

25 % erfüllen das

Seit 8. Dezember 2023 brauchen Weine in der EU Nährwerte und Zutaten. Digital über ein E-Label genügt. Das ist nicht nur ein Abmahnrisiko: Handel und Gastronomie listen zunehmend nur noch aus, was sauber deklariert ist.

5 Versandkosten stehen früh da

34 % erfüllen das

Wein ist schwer, der Versand entsprechend teuer. Wer die Kosten erst an der Kassa erfährt, fühlt sich überrumpelt. Das ist der häufigste Grund für abgebrochene Weinbestellungen überhaupt — und eine Zeile an der richtigen Stelle behebt ihn.

6 Sie verkauft mehr als eine Flasche

50 % erfüllen das

Der Versand kostet fast gleich viel, ob zwei oder sechs Flaschen im Karton liegen. Der Sprung dorthin ist beinahe reine Marge — aber er passiert nur, wenn jemand danach fragt: über Empfehlungen am Wein, fertige Gebinde oder Staffelpreise.

7 Aus Besuchern werden Kontakte

69 % erfüllen das

Die meisten kaufen beim ersten Besuch nicht. Ohne Adresse sind sie danach für immer weg. Reichweite auf Instagram kann dir morgen genommen werden, deine Empfängerliste nicht — sie ist der einzige Kanal, der dir wirklich gehört.

Gemessen am 30.08.2026 an 32 öffentlich erreichbaren Shops. Methode, Stichprobe und Grenzen stehen in der Erhebung.

Drei Wege

Selbst bauen, Agentur oder betreutes System?

Alle drei sind richtig — für verschiedene Betriebe. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern wer danach zuständig ist.

Selbst bauen

Ab rund 200 € im Jahr

Passt, wenn: Wenn du Freude an Technik hast und die Zeit dafür wirklich einplanst.

Der Haken: Die Arbeit hört nie auf: Updates, Sicherheit, Rechtstexte, Pflichtangaben je Jahrgang. Bei einem Ausfall am Messe-Samstag bist du der Zuständige.

Agentur beauftragen

2.500 – 20.000 € einmalig

Passt, wenn: Wenn du einen eigenständigen Auftritt willst und ein Budget für den Betrieb danach einplanst.

Der Haken: Das Projekt endet mit der Übergabe. Wer zieht die E-Label-Pflicht nach, wenn sie sich ändert? Jede spätere Änderung ist ein neuer Auftrag — und die Website veraltet ab dem Tag der Übergabe.

Betreutes System

Laufende Monatsgebühr plus Einrichtung

Passt, wenn: Wenn du verkaufen willst, ohne selbst Betreiber zu sein.

Der Haken: Du bindest dich an einen Anbieter und zahlst laufend statt einmalig. Wer nur eine Visitenkarte im Netz braucht, zahlt dafür zu viel.

Genaue Zahlen für alle drei Wege — inklusive der Posten, die in Angeboten gern fehlen — stehen unter Was kostet eine Weingut-Website?

Vorbereitung

Was du beisteuern musst — egal, wer baut.

Nicht die Technik verzögert einen Start, sondern fehlende Weindaten und Bilder. Wer das vorher weiß, spart Wochen.

Die Weindaten

Je Wein: Jahrgang, Rebsorte, Alkohol, Restzucker, Säure, Allergene, Füllmenge — und für die Pflichtangaben Nährwerte und Zutaten. Das ist der Posten, der Projekte verzögert, nicht die Technik.

Die Bilder

Flaschenfotos vor neutralem Hintergrund und ein paar echte Aufnahmen vom Betrieb. Stockfotos von fremden Weingärten erkennt man, und sie kosten genau das Vertrauen, das die Seite aufbauen soll.

Die Texte

Zu jedem Wein zwei, drei Sätze, wie du ihn am Stand beschreibst. Nicht „elegant und mineralisch", sondern wozu er passt und für wen er ist. Das ist die Arbeit, die niemand für dich erfinden kann.

Die Rahmenbedingungen

Wohin du lieferst, ab welcher Menge, zu welchen Kosten, wie lange es dauert. Klingt banal, entscheidet aber über die Hälfte der Kaufabbrüche.

Ehrlich gesagt

Wann eine gewöhnliche Website völlig reicht.

Du verkaufst ab Hof und willst das so. Wenn deine Menge über Stammkunden, Gastronomie und den Heurigen weggeht und du keinen Versand willst, brauchst du keinen Shop. Dann genügt eine gepflegte Seite mit Öffnungszeiten, Weinen, Kontakt — und den Pflichtangaben.

Dein Sortiment ist sehr klein. Bei drei, vier Weinen lohnt der Aufwand für Filter, Empfehlungen und Gebinde kaum. Die Auswahl trifft man auch so.

Du bist ohnehin ausverkauft. Wer seinen Jahrgang jedes Jahr los wird, löst mit einem Shop kein Problem, sondern schafft sich Arbeit. Interessant wird es erst, wenn du planbarer verkaufen oder die Kundenliste aufbauen willst.

In allen drei Fällen ist eine Agentur oder ein guter Baukasten die günstigere Antwort. Wir sagen das lieber hier, als es dir in einem Termin zu verkaufen.

Der Kipppunkt

Woran du merkst, dass die Website nicht mehr reicht.

  • Du beantwortest dieselben Fragen immer wieder am Telefon — Versand, Preise, Verfügbarkeit.
  • Nach der Messe liegen Visitenkarten herum, und es wird nichts daraus.
  • Gäste waren im Keller, kaufen einen Karton — und melden sich nie wieder.
  • Du weißt nicht, wie viele Leute deine Seite ansehen und was sie dort tun.
  • Eine Änderung am Sortiment bedeutet, jemanden anzuschreiben und zu warten.

Keiner dieser Punkte ist dramatisch. Zusammen sind sie der Unterschied zwischen einer Seite, die dein Weingut zeigt, und einer, die es verkauft.

Häufige Fragen

Was Winzer vor der Entscheidung fragen.

Brauche ich überhaupt einen Shop — oder reicht eine Website?

Das hängt nicht an der Betriebsgröße, sondern daran, ob du versenden willst. Wenn deine Menge ab Hof, über die Gastronomie und den Heurigen weggeht, reicht eine gute Seite mit Weinen, Öffnungszeiten, Kontakt und Pflichtangaben. Ein Shop lohnt, sobald du Nachbestellungen willst, ohne jedes Mal zu telefonieren — oder Messekontakte einsammelst, aus denen sonst nichts wird.

Was ist ein E-Label, und brauche ich das wirklich?

Seit 8. Dezember 2023 müssen Weine in der EU Nährwerte und ein Zutatenverzeichnis ausweisen. Beides darf digital erfolgen — über einen QR-Code auf dem Etikett, der auf eine Seite mit den Angaben führt. Im Fernabsatz gilt das auch für den Shop selbst. In unserer Erhebung war das der am zweitseltensten erfüllte Punkt; die Angaben sind also nicht nur Formsache, sondern ein echter Unterschied gegenüber dem Großteil des Marktes.

Was passiert mit meiner bestehenden Domain und den alten Inhalten?

Die Domain behältst du in jedem Fall — sie gehört dir, nicht der Agentur. Wichtig ist, dass alte Adressen auf die neuen weitergeleitet werden (301). Ohne das verlierst du beim Umzug die Platzierungen, die du dir über Jahre aufgebaut hast. Frag jeden Anbieter danach, bevor du unterschreibst.

Wie lange dauert so ein Projekt?

Die Technik ist selten der Engpass. Wer Weindaten, Fotos und Texte beisammen hat, ist in Tagen bis wenigen Wochen online. Wer bei null anfängt, braucht für die Inhalte meist länger als für die Seite — deshalb lohnt es, damit vor dem ersten Anbietergespräch zu beginnen.

Kann ich die Seite später selbst pflegen?

Das solltest du unbedingt fragen — und zwar konkret: Kann ich einen neuen Jahrgang selbst anlegen, ein Foto tauschen, eine Öffnungszeit ändern? Wenn dafür jedes Mal eine Anfrage nötig ist, entstehen laufende Kosten, die in keinem Angebot stehen. Und eine Seite, deren Änderung Geld kostet, wird nicht geändert.

Woran erkenne ich, ob eine Weingut-Website gut gemacht ist?

Ruf sie am Handy auf und versuche, zwei Flaschen zu bestellen. Wenn du dabei zoomen musst, die Versandkosten erst an der Kassa auftauchen oder du nicht erkennst, wozu der Wein passt, ist der Rest Geschmackssache. Genau diese Dinge prüfen wir auch in unserem kostenlosen Shop-Check.

Wo steht deine Seite bei diesen Punkten?

Trag deine Adresse ein, wir sehen sie uns an und sagen dir zu jedem Punkt, was wir gefunden haben — und was der nächste Schritt wäre, auch ohne uns. Zwei Felder, Ergebnis sofort am Bildschirm.